Die Auslieferungsgeschwindigkeit von Webseiten rückt immer mehr in den Vordergrund. Lädt eine Webseite besonders langsam, springen Besucher oftmals ab, noch bevor die Seite voll geladen ist oder verbleiben nur kurz auf der Seite. Die stark zunehmende Verbreitung von mobilen Clients wie Smartphones oder Tablet-PCs verstärkt das Problem zusätzlich.
Seit April 2010 lässt Google die Ladegeschwindigkeit einer Seite auch in das Suchmaschinen-Ranking einfließen. Auch wenn das genaue Maß unbekannt ist, dürfte die Geschwindigkeit bei besonders langsamen Seiten zu einer Abwertung führen. Auch bei sonst vergleichbaren Seiten kann die Ladezeit den Ausschlag für die vordere Platzierung in den Suchergebnissen bedeuten.
Einer der Ansatzpunkte für eine Geschwindigkeitsoptimierung ist der Apache Server. Bevor jedoch Optimierungen am Apache vorgenommen werden, sollte die Optimierung des Codes der Webseite abgeschlossen sein. Schlechter oder aufgeblähter HTML- oder PHP-Code, zahlreiche Datenbankabfragen oder große Grafiken haben einen viel größeren Einfluss auf die Ladegeschwindigkeit als der Apache selbst. Ein Paradebeispiel hierfür wäre eine WordPress-Seite mit zahlreichen Plugins. Diese führen oft zu zahllosen Datenbank-Abfragen, so dass ohne eine leistungsfähige Caching-Lösung wie z.B. W3 Total Cache die Ladezeit in die Höhe schnellt.
Wie wird der Server schneller?
Um den Apache Server selbst zu beschleunigen, stehen 2 Optionen zur Verfügung: Hard- und Software-Verbesserungen. Ist der (Root-) Server zu stark ausgelastet, können zusätzlicher RAM, ein neuer Prozessor oder eine SSD-Festplatte Wunder wirken. Vielen Administratoren, die meist vorkonfigurierte vServer oder Root Server mieten, dürfte dies allerdings (von einem Tarifwechsel abgesehen) nicht zur Verfügung stehen.
Beginnen sollte man mit Apache-Konfiguration. Mit HostNameLookups off wird der DNS-Lookup der Client-Rechner deaktiviert. Unnötige Apache-Module sollten deaktiviert werden. Wer z.B. keine SSL-verschlüsselten Seiten ausliefert, benötigt das Modul mod_ssl nicht. Je nach verwendeter Konfiguration können so z.B. mod_log_config, mod_cgi, mod_suexec, mod_perl, mod_include, mod_alias, mod_userdir, mod_mime oder mod_expire auf den Prüfstand.
Google bietet mit mod_pagespeed ein Apache2-Modul an, das mehrere Optionen zur Optimierung von HTML, Javascript, CSS und Bildern anbietet. So können z.B. überflüssige Zeichen und Kommentare entfernt werden, Stylesheets zusammengefasst und komprimiert. Die erreichten Geschwindigkeitsgewinne lassen sich direkt mittels Javascript-Testcode ermitteln.
Modul mod_deflate richtig einsetzen
Mit dem Modul mod_deflate können die Inhalte komprimiert ausgeliefert werden. Durch die notwendige Dekomprimierung erhöht sich die CPU-Belastung des Besuchers. Dies stellt aber kein Problem dar, da praktisch immer die Übertragungsrate den „Flaschenhals“ darstellt und die CPU-Last kaum ins Gewicht fällt. Mittels mod_deflate kann die auszuliefernde Datenrate um 40-70% verringert werden, die Auslieferungsgeschwindigkeit steigt somit (nahezu) um den gleichen Faktor.
Mit varnish steht eine weitere Option zur Verfügung. Varnish ist ein HTTP Reverse Proxy mit Caching-Funktion. Wird Varnish vor den Apache Server geschaltet, ist eine 10- bis 300-fache Beschleunigung der Auslieferung möglich. Für den Apache bedeutet dies auch eine deutlich verringerte Prozessor-Last und niedrigeren RAM-Verbrauch.
Die Liste der Optimierungsmöglichkeiten ist nicht abschließend Wer noch tiefer in die Materie einsteigt, findet noch weitere Möglichkeiten zur Seitenbeschleunigung. Die erreichbare deutliche Erhöhung der Auslieferungsgeschwindigkeit dürfte in den meisten Fällen aber mehr als ausreichend sein.
Gastautor: Stefan Pfeil
Stefan Pfeil studiert in Bonn Informatik und ist als selbständiger Web-Entwickler mit Spezialisierung auf WordPress tätig. Für dodisco.de verfasst er Beiträge zu den Themen Webhosting, Domains und Server. .
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